Nachhaltigkeitsmanagement in Städten und Gemeinden

Kommunale Nachhaltigkeitspolitik Bildnachweis
Viele Kommunen haben sich bereits auf den Weg gemacht hin zu einem nachhaltigeren Leben, Wirtschaften und Verwalten. Damit Nachhaltigkeit aber nicht nur eine hohle Phrase bleibt, können sie sich mit Erklärungen und Indizes verbindlich dazu verpflichten und ihre Bemühungen damit messbar, sichtbar und vergleichbar machen.

  • Kommunen in ganz Deutschland bekennen sich verbindlich zur Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen.
  • Verschiedene Leitfäden, Handbücher und Online-Tools unterstützen sie bei einem wirkungsvollen Nachhaltigkeitsmanagement.
  • Nachhaltigkeitszertifikate für kommunale Unternehmen tragen dazu bei, Potentiale weiter auszuschöpfen.
  • Kommunen können bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten auf verschiedene Förderquellen zurückgreifen.

Das Nachhaltigkeitsmanagement in Städten und Gemeinden zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass hierin Generationengerechtigkeit und die Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Soziales, Ökonomie und Kultur in Politik, Verwaltung, kommunalen Unternehmen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft als zentrale Leitgedanken kommunalen Handelns verankert sind. Richtschnur für nachhaltiges Handeln sind dabei auf nationaler wie auch internationaler Ebene die Sustainable Developmental Goals (SGD), welche 2015 von den Vereinten Nationen unter dem Titel „Agenda 2030“ beschlossen worden sind.

Der Wille ist da

Eines der ältesten Netzwerke im Bemühen um Klimaschutz ist das 1990 gegründete Klima-Bündnis. Hier haben sich in den vergangenen 32 Jahren 1.908 Städte, Kreise und Gemeinden, Bundesländer, Provinzen, NGOs und andere Organisationen in ganz Europa zusammengefunden, um lokale Maßnahmen für globalen Klimaschutz zu verwirklichen. Deutschland zählt aktuell 582 Mitglieder. Diese finden im Klima-Bündnis Anregung und Unterstützung für ihre lokalen Klimaschutzaktivitäten, u. a. in Form von Instrumenten zum CO2-Monitoring, Kampagnen, Veranstaltungen sowie Finanzierungsmöglichkeiten und Projektpartner.

Um Kommunen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu begleiten und ihre Bemühungen sichtbar zu machen, hat auch der Deutsche Städtetag in Zusammenarbeit mit dem Rat der Gemeinden und Regionen Europas/Deutsche Sektion und der Servicestelle Kommunen für die Eine Welt die Musterresolution „2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ entwickelt. Seit dem Inkrafttreten der SGDs haben in Deutschland 198 Kommunen unterzeichnet und somit ihren Willen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele bekundet. Im „Club der Agenda 2030-Kommunen“ können sie sich regelmäßig über fachliche Themen und Erfahrungen austauschen und erhalten zudem eine Anerkennungsurkunde für ihre Aktivitäten.

Einige Städte und Gemeinden beteiligen sich zudem am 2010 etablierten OB-Dialog „Nachhaltige Stadt“ des Rats für Nachhaltige Entwicklung. Dieser hat 2011 auch den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) beschlossen, welcher insbesondere Unternehmen und seit neuestem auch Kommunen einen international anwendbaren Berichtsstandard für Aspekte rund um Nachhaltigkeit zur Verfügung stellt. Fachlicher Austausch findet auch auf Plattformen wie Themennetzwerke® statt. Ganz neu: In der Netzwerkgruppe „Green Deal und Circular Economy“ geht es um Lösungen und Herausforderungen für die Kreislaufwirtschaft von morgen.

Nachhaltigkeitsmanagement: Instrumente für Kommunen

Kommunen werden mit diversen Handreichungen darin unterstützt, ihrer Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung nachzukommen. So hat beispielsweise die Bertelsmann-Stiftung 2018 den Leitfaden „Wirkungsorientiertes Nachhaltigkeitsmanagement in Kommunen“ veröffentlicht. Dieser gibt Städten und Gemeinden konkrete Instrumente an die Hand, mit denen sie ein lokales Nachhaltigkeitsmanagement entwickeln und einrichten können. Zu diesen gehören:

Kommunales Nachhaltigkeitsmanagement beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Wo steht meine Kommune in Sachen Nachhaltigkeit gerade? Festgehalten wird dies im Nachhaltigkeitsbericht. Mit ihm werden die Voraussetzungen geschaffen, um im nächsten Schritt Ziele und Maßnahmen zu formulieren. Am Ende eines Zyklus findet erneut eine Ist-Analyse sowie Auswertung der Ziele und Maßnahmen statt, die im folgenden Nachhaltigkeitsbericht ersetzt, angepasst oder fortgeschrieben werden.

Ist die Ausgangslage klar, können Ziele und damit verbundene Maßnahmen entwickelt werden. Dieser Fahrplan auf dem Weg zur Nachhaltigkeit sieht von Kommune zu Kommune unterschiedlich aus. Denn wichtig für die erfolgreiche Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen ist es, die jeweils vorhandenen Strukturen und Prozesse für entsprechende Aktivitäten zu nutzen.

Damit die Strategie Eingang in die Praxis finden kann, bedarf es im nächsten Schritt der formellen Zustimmung von Stadt-, Gemeinderat oder Kreistag. Dieser gibt die benötigten personellen und finanziellen Mittel frei und macht eine nachhaltige Entwicklung zur Richtschnur für die Kommunalpolitik. Im Nachhaltigkeitshaushalt werden die freigegebenen Ressourcen sowie die allgemeine Zielstellung dann verbindlich festgeschrieben.

Im vierten Schritt geht es an die Umsetzung der Maßnahmen und Projekte. Um eventuell auftretenden Problemen im Prozess vorzubeugen, Maßnahmen nachzubessern und flexibel anzupassen, empfiehlt sich ein kontinuierliches Monitoring. In der Nachhaltigkeitsprüfung kann dann eingeschätzt werden, ob einzelne Maßnahmen und Beschlüsse dazu beitragen, die im Strategiepapier formulierten Ziele zu erreichen.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung stellt mit seiner DNK-Erklärung einen Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zur Verfügung. Diese wurde auf kommunaler Ebene bislang vor allem von kommunalen Beteiligungsunternehmen genutzt. Die erste „richtige“ Kommune, die eine DNK-Entsprechungserklärung abgab, war 2016 die Stadt Geestland. Mit dem 2021 veröffentlichten „Berichtsrahmen nachhaltige Kommune“ werden nun aber auch kommunale Besonderheiten berücksichtigt.

Auf Basis der hier vorgestellten Struktur können Städte und Gemeinden ihre Fortschritte und Aktivitäten einheitlicher und transparenter dokumentieren sowie im Datenmanagementsystem des DNK auch für andere Akteure sichtbar machen. Mit einer DNK-Erklärung werden zudem politische Rahmensetzungen wie das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz und die EU-Taxonomie erfüllt und zu menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten im Sinne des Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte berichtet. Teilnehmende Kommunen unterstützt der DNK darüber hinaus bei der Weiterentwicklung ihrer Nachhaltigkeitspolitik.

Weitere Leitfäden für ein kommunales Nachhaltigkeitsmanagement sind u. a.:

Nachhaltigkeitszertifikate für kommunale Unternehmen

Unterstützung für insbesondere kommunale Unternehmen kommt auch aus der freien Wirtschaft. Anhand von Nachhaltigkeitszertifikaten können sie sich ihre Bemühungen anhand konkreter Zahlen aufschlüsseln und beglaubigt nachweisen lassen. Diese Zahlen werden wiederum in Geschäfts- und Umweltberichten eingebettet und in der Kommunikation mit Stakeholdern verwendet. So hat z. B. das Entsorgungsunternehmen REMONDIS in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) ein Nachhaltigkeitszertifikat entwickelt und unterstützt kommunale Abfallbetriebe im Zuge dessen aktiv, die ermittelten Potentiale weiter auszuschöpfen.

Kommunale Handlungsfelder

Ziele und daraus abgeleitete Maßnahmen für eine nachhaltige Kommunalpolitik können sehr unterschiedlich sein und richten sich vornehmlich an den lokalen Gegebenheiten und strukturellen Voraussetzungen aus. Der Leitfaden „N!-Berichte für Kommunen“ identifiziert vier Handlungsfelder mit jeweils Unterpunkten, die Kommunen als Orientierung dienen können:

Kommunale Rahmenbedingungen

  • Kommunale Strategien und Konzepte
  • Nachhaltigkeit in der Verwaltung
  • Bürgermitwirkung
  • Interkommunale Zusammenarbeit
  • Globale Verantwortung

Ökologische Tragfähigkeit

  • Klimaschutz und Energiewende
  • Anpassung an den Klimawandel
  • Umgang mit natürlichen Ressourcen
  • Biologische Vielfalt

Wirtschaft und Arbeit

  • Wirtschaften, Arbeiten und Tourismus
  • Nahversorgung und lokale Wertschöpfung
  • Kommunale Finanzen
  • Nachhaltige Mobilität

Soziales und Gesellschaft

  • Wohnen, Gesundheit und Sicherheit
  • Kultur und Freizeit
  • Generationengerechte Entwicklung
  • Miteinander und gleichberechtigte Teilnahme
  • Bildung

Anhand der einzelnen Handlungsfelder können sich Kommunen Fragen zum Ist-Stand stellen und Zukunftsvisionen entwickeln. Der Weg von der aktuellen Situation zum Zielzustand wird dann schrittweise aufgeschlüsselt und in konkrete Maßnahmen und Projekte übersetzt, wobei die jeweils vorhandenen Ressourcen berücksichtigt werden. Ganz wichtig: Spätestens bei der Formulierung von Nachhaltigkeitszielen sollten Kommunen ihre Bürger und relevanten Stakeholder in den Prozess miteinbeziehen. Ein gutes Beispiel ist dabei die Stadt Kiel, welche bei der Entwicklung ihres Zero Waste-Konzepts intensiv mit der Kieler Bürgerschaft und anderen Organisationen zusammengearbeitet hat.

Indikatoren für messbares Nachhaltigkeitsmanagement

Wie wirksam die Nachhaltigkeitsaktivitäten im Einzelnen sind, lässt sich mittels Indikatoren feststellen. Ein guter Indikator zeichnet sich dabei durch folgende Kriterien aus:

Der Indikator bezieht sich auf einen einzelnen Aspekt innerhalb eines komplexeren Zusammenhangs. Damit muss er geeignet sein, um den jeweils bestimmten Teilaspekt auch abbilden zu können. So gibt es beispielsweise im Bereich nachhaltige Mobilität unterschiedliche Aspekte wie Schutz von Wasser, Boden und Luft, globale Verantwortung und soziale Infrastruktur. Um also Maßnahmen für nachhaltige Mobilität unter dem Aspekt Schutz von Wasser, Boden und Luft zu betrachten, kann z. B. der „Anteil von schadstoffarmen Autos“ gemessen werden.

Ein Indikator bezieht sich auf aktuelle, dokumentierte und vor allem verfügbare Daten. Um diesem Kriterium zu entsprechen, lässt sich der oben genannte Indikator beispielsweise noch zuspitzen auf den „Anteil von schadstoffarmen Autos an allen Zulassungen“.

Die gewählte Kennzahl soll durch kommunales Handeln beeinflussbar sein. So kann, um im Beispiel der nachhaltigen Mobilität zu bleiben, der Aspekt soziale Infrastruktur gemessen werden an dem „Anteil der Einwohner mit einer Mindestnähe zu wichtigen Einrichtungen“.

Nicht immer erfüllt ein Indikator alle Kriterien. So kann eine Kommune nicht direkt beeinflussen, wie viele schadstoffarme Autos pro Jahr gekauft und damit zugelassen werden. Sehr wohl kann sie dagegen steuern, ob beispielsweise eine Schule oder Kindertageseinrichtung gebaut wird, um kurze Wege zu ermöglichen. Wie bei allem sind also auch Kennzahlen oftmals ein Kompromiss, erfüllen aber nichtsdestotrotz ihren Zweck.

Im SDG-Portal der Bertelsmann-Stiftung können Städte und Gemeinden einheitliche Indikatoren finden, welche die Umsetzung der Sustainable Developmental Goals auf kommunaler Ebene messen. Den 17 Zielen stehen ingesamt 120 Indikatoren gegenüber, anhand derer Kommunen aus ganz Deutschland hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen miteinander verglichen werden können. Die Daten kommen dabei aus zentralen Quellen statistischer Ämter von Bund und Ländern, Behörden und Forschungseinrichtungen. Auch in der DNK-Datenbank können Kommunen einzelne Kriterien miteinander vergleichen und Entwicklungsprozesse sichtbar machen.

Fördermöglichkeiten für Kommune

Nachhaltigkeitsmanagement inklusive den damit verbundenen Maßnahmen und Projekten kostet Geld und das ist gerade in Kommunen nicht immer in reichlichem Maße vorhanden. Doch gerade in diesem wichtigen Bereich gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten von EU, Bund und Ländern sowie Stiftungen. Man muss lediglich wissen, wo diese zu finden sind. Eine Plattform ist dabei der Finanzierungsratgeber der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt. Hier finden Kommunen Förderquellen für verschiedene Handlungsfelder, können sich mit Beratungseinrichtungen verbinden und Finanzierungsbeispiele ansehen.

In der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) können Städte und Gemeinden gezielt nach Förderprogrammen suchen. Förderungen für kommunale Klimaschutzprojekte gibt es außerdem über die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI). Diese wird seit Januar 2022 von der bundeseigenen Zukunft - Umwelt - Gesellschaft (ZUG) betreut (vormals: Projektträger Jülich).

Auch interessant: Wettbewerbe rund um nachhaltiges Engagement schärfen nicht nur die öffentliche Wahrnehmung für Nachhaltigskeitsprojekte, sondern unterstützen diese auch finanziell. So prämiert die KfW Bankengruppe im Rahmen des „KfW Award 2022 Leben“ innovative Projekte für die Stadt der Zukunft mit ingesamt 45.000 Euro. Interessierte Kommunen können sich hier bis zum 15. März online für die Kategorien „Energetische Stadtsanierung“, „Digitale Bildung“ und „Soziales und bezahlbares Wohnen“ bewerben.

Über die Kommune

Geestland, Stadt

Über Geestland

Bundesland Niedersachsen
Einwohner 30.866 (m: 15.061, w: 15.805)
Größe 356.56 km² (87 Einwohner je km²)
Merkmale Stabile Städte und Gemeinden in ländlichen Regionen

Vergleichbare Kommunen hinsichtlich Größe mit

Daten: Bertelsmann Stiftung/www.wegweiser-kommune.de