Warum gehören kompostierbare Beutel nicht in den Biomüll?

Bioabfall in der Papiertüte antoninavlasova@envato-elements

Biotonnen entwickeln schnell ein Eigenleben: Fliegen oder andere Lebewesen bis hin zu Maden tummeln sich hier und sie entwickeln unangenehme Gerüche. Sie stinken, Fliegen tummeln sich und manchmal gesellen sich noch Maden dazu. Mit Haushaltstüchern, Zeitungspapier und Papiertüten wird versucht, die Tonne möglichst rein zu halten. Im Drogerieregal finden sich zu diesem Zweck kompostierbare Bio-Müllbeutel. Doch wer denkt, diese wären die perfekte Lösung, der irrt. Denn leider dürfen diese Beutel nicht in die Biotonne oder auf den Komposthaufen – auch wenn sie als „kompostierbar“ verkauft werden.

Die Beutel erfüllen mit diesem Aufdruck eine geltende EU-Norm, die besagt, dass sie in Kompostieranlagen unter bestimmten Bedingungen und in kurzer Zeit biologisch abbaubar sind. „Biologisch abbaubar“ bedeutet, dass Mikroorganismen die Tüten weitgehend zu Wasser, Biomasse und CO2 zersetzen können.

Laut Richtlinie müssen diese sich nach zwölf Wochen zu mindestens 90 Prozent zersetzt haben. Nach sechs Monaten müssen dann 90 Prozent der Tüte komplett verschwunden sein. So viel Zeit haben die Bakterien im Kompostierwerk nicht; in rund vier bis fünf Wochen muss der Kompost bereits verkaufsfertig sein.

In den speziellen Anlagen herrschen für die Zersetzung Temperaturen von über 60 Grad Celsius.

Bedingungen, die sich in der Natur oder auf dem Komposthaufen nicht finden. Selbst wenn auf der Verpackung der Tüten “biologisch abbaubar” steht, braucht der Kunststoff in der Natur mitunter Monate oder sogar Jahre, um sich zu zersetzen. Kompostieranlagen und Hersteller der Beutel bemühen sich bereits, die Zersetzung zu beschleunigen. Lediglich Beutel, die mit dem Keimling-Symbol gekennzeichnet sind und ausdrücklich für die Bioabfallsammlung vor Ort zugelassen sind, dürfen in den Biomüll.

Doch es gibt weitere Nachteile der Tüten. Als Abbauprodukte entstehen hauptsächlich CO2 und Wasser und somit wenig nährstoffreicher Kompost. Dabei ist unser Biomüll wichtig, denn aus ihm entsteht beispielsweise wertvoller Dünger für Äcker.

Auch für die Müllwerker haben die Tüten Nachteile: Nach dem Abladen des Bioabfalls aus dem Müllfahrzeug sind kompostierbare Plastiktüten optisch kaum von herkömmlichen Tüten zu unterscheiden, so dass diese mühsam und kostenintensiv als Störstoffe herausgesiebt und anschließend als Restabfall entsorgt werden müssen.

Zwar sind kompostierbare Plastiktüten nachhaltiger als die herkömmlichen auf Erdölbasis. Wer seinen Biomüll ressourcenschonend entsorgen möchte, sollte die Abfälle ohne jede Tüte einfach in einem geeigneten Behälter sammeln und diesen regelmäßig direkt in die Biotonne entleeren. Ein Stückchen Zeitung am Boden hilft beim Sauberhalten.