Warum Bioplastik nicht umweltfreundlicher ist

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Auf vielen Verpackungen in den Supermarktregalen prangen inzwischen Aufdrucke wie „kompostierbar“, „biologisch abbaubar“, „plastikfrei“ oder „aus nachwachsenden Rohstoffen“. Verpackungen aus sogenannten Biokunststoffen scheinen konventionelle Kunststoffe mehr und mehr zu verdrängen. Und vermitteln uns das gute Gefühl, mit unserem Einkaufsverhalten einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zum Klimaschutz beizutragen.

Nun aber kommt die Ernüchterung. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Bioplastik bietet nicht nur keine Vorteile gegenüber herkömmlichem Plastik, sie bringt sogar neue Umweltprobleme mit sich: Nach einer Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) würden die Hälfte der Befragten als kompostierbar deklarierte Verpackungen wie kompostierbare Bio-Müllbeutel fälschlicherweise in der Biotonne entsorgen. Rund ein Viertel hätte sogar keine Bedenken, sie in der Umwelt liegen zu lassen.

Unter dem Begriff „Bioplastik“ werden biobasierte, d. h. anteilig aus pflanzlichen Rohstoffen bestehende Kunststoffe, und biologisch abbaubare Kunststoffe zusammengefasst. Das suggeriert Umweltverträglichkeit. Die Fakten sind aber: Die für Bioplastik genutzten Pflanzen kommen oft aus konventioneller Landwirtschaft, die mit Pestiziden, synthetischen Düngemitteln und auch gentechnisch veränderten Pflanzen arbeitet. Der Herstellungsprozess ist energieaufwendig und setzt Treibhausgase frei.

Auch wenn ein Kunststoff nicht aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl produziert, sondern aus Pflanzen ist, bleibt das hergestellte Material „Plastik“ und nicht abbaubar. Die pflanzliche Komponente bedeutet im Übrigen auch nicht, dass Biokunststoffe frei von gefährlichen Weichmachern, Farbstoffen, Stabilisatoren oder andere Additive sind. Abbaubare Kunststoffe sind mitnichten in natürlichen Umgebungen wie Wald, Wiese oder Meer abbaubar. Die Siegel „kompostierbar“ oder „biologisch abbaubar“ beziehen sich vielmehr auf den möglichen Abbau unter Laborbedingungen.

Bioplastikverpackungen, ob abbaubar oder nicht, dürfen weder auf den Kompost noch in die Biotonne. Auch in der gelben Tonne bzw. im Gelben Sack sind sie nicht gut aufgehoben. Sie würden die Aufbereitung der (herkömmlichen) sortenreinen Kunststoffe stören und eine Qualitätsminderung der erzeugten Sekundärrohstoffe bedeuten.

So bleibt derzeit nur die Entsorgung über den Restmüll, also die Abfallverbrennung. Eine ingesamt enttäuschende Bilanz, die erklärt, warum Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutzorganisationen gegen das Greenwashing mit sogenanntem Bioplastik vorgehen.