Klimaneutral durch die Stadt mit dem E-Scooter?

Mit E-Scooter durch die Innenstadt westend61@envato-elements

„Gefahr für die Umwelt: Unternehmen fischt E-Scooter aus dem Rhein“. So titelte der Nachrichtensender n-tv im September vergangenen Jahres im Fernsehen. Dabei galten die batteriebetriebenen Cityflitzer vor nicht allzu langer Zeit noch als Hoffnungsträger in Sachen Verkehrswende. Seit Dezember 2019 sind E-Scooter in Deutschland zugelassen und gehören vielerorts mittlerweile zum Stadtbild dazu. Doch statt wie angedacht mit den Rollern eine CO2-freie Alternative zum Autoverkehr zu etablieren, kommen diese vielmehr als Freizeitmobile zum Einsatz und ersetzen den Weg zu Fuß und mit dem Rad - der natürlich viel umweltfreundlicher ist. Zu diesem Fazit kommt auch das Umweltbundesamt (UBA) nach zwei Jahren E-Roller im Straßenverkehr. In Innenstädten mit gut ausgebautem ÖPNV-Netz und kurzen Wegen würden die Scooter mehr Nach- als Vorteile für die Umwelt bringen, schreibt das UBA im Artikel „E-Scooter momentan kein Beitrag zur Verkehrswende“.

Hauptgrund sind die in den Tretrollern verbauten Lithium-Ionen-Akkus, deren Produktion sehr energieaufwändig ist. „Blickt man allein auf die Herstellung einer solchen Batterie, kommt man auf eine ähnliche CO2-Bilanz wie bei einer Bahnfahrt von Berlin nach Köln“, sagt Mobilitätsexperte der Agora Verkehrswende Alexander Jung in einem Artikel auf ZEIT Online. Nach seinen Schätzungen seien die Emissionen aus der Batterieproduktion für einen E-Scooter ausgeglichen, sobald man etwa 200 bis 273 Kilometer Strecke mit dem Roller statt mit einem kompakten Mittelklassewagen fahre. Wie eine Untersuchung der Unfallforscher der Versicherer (UDV) 2021 für Berlin und Dresden zeigte, hatten unter den Befragten lediglich 5,5 % den E-Roller als Ersatz für das Auto genutzt.

Zusätzliches Risiko sind die in den Akkus enthaltenen Rohstoffe, wie Kobalt, Nickel, Kupfer und Aluminium. Diese sind gesundheits- und umweltschädlich - zumal dann, wenn so ein Roller samt Akku unsachgemäß in einem Gewässer abgeladen wird, wie im vergangenen Jahr vielfach geschehen. Bei genauer Betrachtung von Herstellung, Nutzerverhalten und Lebensdauer ist die Öko- Bilanz eines Leih-Rollers also ernüchternd. Auch die Entsorgung von Lithium-Ionen-Batterien ist nicht ungefährlich: Aufgrund der potentiellen Brandgefahr finden Abfalltransport und Recycling meist unter hohen Sicherheitsbedingungen statt.

Was können Kommunen tun, damit E-Roller sinnvoll zum Einsatz kommen? Um ihr Potential als Last-Mile-Verkehrsmittel zu nutzen, schlägt das UBA z. B. vor, diese zum Schaffen von Querverbindungen zwischen ÖPNV-Stationen sowie in besonders Auto-dominierten Kommunen und Ortsteilen zu positionieren. Außerdem könnten Kommunen zukünftig nur noch solche Verleiher genehmigen, die bestimmte Umweltkriterien erfüllten. Vielleicht klappt so dann doch noch die Verkehrswende mit E-Roller.